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Re-Bonding

Nach der Geburt ist vor der Geburt

 Tuttlingen, 26.06.2012. Die meisten Geburten verlaufen völlig natürlich und unkompliziert. Doch es gibt immer Ausnahmefälle, bei denen die Neugeborenen aus verschiedenen Gründen direkt nach der Geburt in die Kinderklinik verlegt werden müssen, zum Teil dort auch intensivmedizinisch betreut werden. Daher kommt es immer wieder vor, dass sich Mutter und Kind nach einer schwierigen Geburt oder einem Not-Kaiserschnitt durch die sofortige Trennung fremd bleiben. Während die Kinder ihre Not oftmals körperlich in Trinkschwäche, Unruhe oder Schreien äußern, trauern viele Mütter still und schuldbeladen. Es fehlt ihnen der erste Blick, die erste innige Berührung, der erste wichtige enge körperliche Kontakt zum Kind und dem gegenseitigen Kennenlernen. Das traumatische Erlebnis kann so zu einer Belastungsprobe für beide Seiten werden und einer echten Begegnung und innigen Beziehung zwischen Eltern und Kind im Weg stehen.

Zu hoher Erwartungsdruck lastet auf den Müttern

„Doch es ist nie zu spät“, meint die Leitende Hebamme am Klinikum Landkreis Tuttlingen, Karin Berzbach, „um verlorene Nähe nachzuholen und die Mutter-Kind-Bindung zu heilen. Bonding ist ein Prozess und die innigen Berührungen können auch Tage später noch genauso intensiv erlebt werden.“ Neue Studien beschreiben gerade die ersten Minuten nach der Geburt als unwiderrufliche Gelegenheit für die Eltern, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Die Folge: Viele Mütter haben heute zu hohe Erwartungen an sich selbst. Sie können dem Bild, das von diesen Glücksmomenten unmittelbar nach der Geburt gezeichnet wird, einfach nicht gerecht werden und fühlen sich dann überfordert.

Verlorene Zeit nachholen durch Re-Bonding

Wenn die Mutter ihr Baby nach der Geburt nicht gleich im Arm halten kann, wird im Klinikum Landkreis Tuttlingen viel Wert auf den wiederholten uneingeschränkten Körperkontakt zwischen Mutter und Kind gelegt. Als babyfreundliches Krankenhaus wird hier darauf geachtet, dass die verlorene Zeit zwischen Mutter und Kind im sogenannten Re-Bonding nachgeholt werden kann. „Bei der erstmöglichen Gelegenheit wird das Baby dafür mit einem warmen Tuch bedeckt auf den nackten Oberkörper der Mutter gelegt“, erklärt Karin Berzbach. Dieses Konzept der Vertrautheit wird auf der Mutter-Kind-Station gefestigt und fortgesetzt. Auch bei dem sogenannten Rooming-In werden Mutter und Kind während des gesamten Aufenthaltes nur in Ausnahmefällen oder auf Wunsch der Mutter getrennt. Es wird der Mutter ermöglicht, ihr Kind nach der Geburt 24 Stunden am Tag bei sich zu haben, wovon beide langfristig profitieren.

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